Interview Raymond Thompson
1. Wie heißen Sie?
Raymond Thompson
2. Was ist Ihre Aufgabe (in einem Satz)?
Den Ablauf der Serie von Anfang bis Ende zu beaufsichtigen.
3. Wie machen Sie das? Was sind die typischen Abläufe?
Das umfaßt alle möglichen Gebiete, vom Casting über das Absegnen der einzelnen Geschichten
bis hin zum Editing der Serien und dem Abschicken zur Übertragung.
4. Mit welchen anderen Abteilungen arbeiten Sie zusammen und auf welche Art und Weise?
Ich habe Ansprechpartner in allen Abteilungen.
5. Von welchen Faktoren wird ein Script oder eine Story inspiriert?
Es gibt diverse Faktoren, die einen Einfluß auf Story und Script haben,
aber erst einmal muß eine leere Seite gefüllt werden. Jede gute Serie basiert auf einer guten
Geschichte, aus welcher sich dann weitere Aspekte ergeben. Innerhalb der verschiedenen
Abteilungen und während der Umsetzung des Scripts muß ständig auf das Budget, die
schauspielerischen Leistungen und andere kreative Elemente, wie z.B. Beleuchtung, Design,
Make-Up, Garderobe und Logistik geachtet werden.
6. Können Sie einen typische Arbeitstag beschreiben? Wie sieht Ihr Routine aus?
Es ist schwer einen typischen Arbeitstag zu beschreiben. Das Einzige was für den
Produzenten voraussehbar ist ist die Tatsache, daß nichts voraussehbar ist. Normalerweise
übertrage ich die Verantwortung der täglichen Produktionsabläufe dem Produktionsleiter
und dessen Abteilungsleitern und wenn ich dazugerufen werde dann heißt das meist, daß es
ein Problem gibt. Mir geht es also ähnlich wie einem Nachrichtensprecher, ich höre wenig
gute Nachrichten sondern überwiegend schlechte, die aus den vorgenannten Problemen entstanden.
Als Produzent und Miterfinder bin ich natürlich sehr in die Scripts und die Geschichte
eingebunden und muß auch die Richtung, die die Geschichten nehmen soll, steuern. Während der
Produktion und auch der Nachproduktion bin ich oft am Set und kümmere mich auch um die
Vermarktung der Serie durch unsere Vertriebsniederlassung Cumulus.
Das ist für mich allerdings keine Belastung sondern eine Passion und auch eine Verpflichtung,
das qualitativ beste Programm zu liefern. Das Endresultat ist mir sehr wichtig, denn die Macht
des Fernsehens ist sehr groß und wir haben eine Verpflichtung gegenüber den Zuschauern, speziell
den Jüngeren, und ich bin mir während des gesamten Ablaufes einer Serie dieser Verpflichtung
auch sehr bewußt.
7. Gab es schon Ideen die zwar in Erwägung gezogen dann aber wieder verworfen
wurden? Falls ja, welche Ideen waren das und warum wurden sie nicht umgesetzt?
Ich beschäftige mich ständig mit dem Konzept der Serie und dem der Charaktere,
immer unter dem Aspekt der Perfektion, aber Perfektion gibt es leider nicht.
Also erwäge ich ständig neue Aspekte.
8. Zeit - wie lange dauert es normalerweise ein Kostüm zu machen oder einen Script zu
schreiben?
Eine Serie wie The Tribe, insbesondere die damit verbundene Arbeit, ist sehr anstrengend
und in meiner Rolle als Produzent bin ich seit 1997 vollauf beschäftigt (erst die Umsetzung
der ersten Staffel und dann die Vorbereitung der Zweiten).
Das Konzept ging mir allerdings schon etliche Jahre vorher durch den Kopf. Einige Abteilungen
haben einen festen Zeitplan, innerhalb dessen sie ihre Aufgaben erledigen müssen, ein
Scriptschreiber kann seine Arbeit in der Mitte der Produktion beenden aber die Nachproduktion
kann nicht vor Ende der Produktion stattfinden und der Vertrieb kann nicht beginnen bevor nicht
Vorabsequenzen gedreht wurden. Da meine Tätigkeit aber all diese Bereich umfaßt gibt es für
mich keinen Anfang und, wie es scheint, auch kein Ende.
9. Gibt es in The Tribe ein 'Lieblingsding', zu dem Sie beigetragen haben?
Es gibt kein 'Lieblingsding' im eigentlichen Sinn. Ich bin mir des enorm großen Vertrauens,
das die Investoren in die Serie gesetzt haben, bewußt und auch des großen Einsatzes aller
Mitarbeiter von Cloud 9. Ich denke auch immer an die Zuschauer, die sich die Serie ansehen.
Es gibt also viele Gesichtspunkte, die mich berühren, angefangen bei einem Schauspieler,
der sein Bestes gibt, über den Verfasser eines Scripts, der einem bestimmten Dialog ein
ganz besonderes Gewicht gibt, bis hin zu einem Fanbrief, der mir zeigt, daß etwas in The
Tribe diesen Fan berührt. All dies ist den Arbeitsaufwand wert.
10. Haben Sie Helden oder Heldinnen und wenn ja, wen?
Ich habe mehrere Helden und Heldinnen, aber es sind viel zu viele um sie
jetzt hier aufzuzählen. Sie reichen von Größen der Industrie bis zu Personen der Film- und
Fernsehindustrie, die Geschichte gemacht haben und mich durch ihre verschiedene Arbeiten
zu meiner eigenen Karriere inspiriert haben.
Aber schlußendlich gibt es keine Helden und Heldinnen. Jeder, der
etwas kreiert, ist in meinen Augen etwas besonderes. Es gibt keine schlechte Filme oder
Bücher oder Aufführungen ... Jeder, der kreativ und mit Überzeugung und Integrität arbeitet,
gibt einem Teil von sich selbst bei dem Versuch sich auszudrücken und der Idealfall ist der,
daß die Massen an diesem Prozess teilhaben können.
Als Schriftsteller fühle ich mit zu anderen Schriftstellern hingezogen und
ich kenne den Schmerz und machmal sogar die Angst, wenn man vor einer leeren Seite sitzt und
diese dann füllen soll. Warum irgendjemand diese Seiten beschreiben möchte ist eine Frage,
die wohl niemand beantworten kann. Manchmal scheint Gott seine Hand über einige Schriftsteller
zu halten und sie zu insperieren, sich auf eine Art und Weise auszudrücken, daß die Worte
die Herzen und Gedanken der Leser oder Zuschauer erreichen und dieser Prozess ist profund.
11. Wie kamen Sie in diese Branche? War es schon immer Ihr Traum, als auch
junger Mensch, beim Film zu arbeiten?
Ich wollte wohl schon immer Schriftsteller werden, auch ohne das ich dies zuerst erkannt hätte.
Ich hatte schon immer das Verlangen zu schreiben, lange bevor ich erkannte, daß ich ein
besonderes Talent habe und ich habe schon immer das geschriebene Wort geliebt, auch wenn es nur
meine eigenen Worte waren, die nur meine Augen sahen.
Jetzt erreichen diese Worte mehrere Millionen Augen auf der ganzen Welt,
aber der Prozess als solcher ist der gleiche. Ich habe noch immer das Verlangen zu schreiben
und was das Materielle angeht so habe ich Glück, daß die Masse Interesse hat an meinem
kreativen Prozess teilzunehmen oder sie hat zumindest ein Interesse, das mich auf einem
elementaren Level belohnt. Aber selbst wenn dies nicht der Fall wäre, hätte ich trotzdem
dieses Verlagen meine Worte zu Papier zu bringen.
12. Welchen Rat würden Sie Menschen geben, die das tun möchten was Sie tun?
Im kalten Licht des Sonnenaufgangs, wenn alle anderen noch schlafen, schreibt der
Schriftsteller. Man kann nicht planen zu schreiben, man schreibt einfach. Mein Ratschlag
an alle, die Schriftsteller werden möchten ist, schreibt mit Hingabe und Integrität und
erzählt die Geschichte auf eine Art, wie sie ein bestimmtes Individuum erzählt haben möchte
und laßt Euch nicht zu sehr von den Reaktionen der Presse, von Akademien oder wem auch
sonst beeinflußen.
Was den Beruf des Produzenten betrifft ist mein Ratschlag, sich in allen
Abteilungen und Gebieten der Fernsehindustrie so viel Erfahrung wie nur möglich anzueigenen,
denn diese Erfahrung ist Grundvoraussetzung, um später diese Rolle ausfüllen zu können.
Dies gilt auch für alle anderen Ziele, die man erreichen möchte. Ich glaube,
daß man wissen muß was man will ansonsten wird man dieses Ziel nie erreichen. Wenn jemand
etwas ernsthaft erreichen will und wenn er dieses Ziel aus den richtigen Gründen verfolgt
und gewillt ist, den Preis zu zahlen, dann sollte er mit seiner ganzen Kraft auf dieses Ziel
hinarbeiten.
Außerdem ist es so, daß, wenn man etwas unbedingt möchte, es normalerweise
auch bekommt. Ich denke, das entspricht prinziell der Wahrheit.
Mein Rat an alle, die etwas erreichen möchten, ist zu träumen. Aber sie müssen
große Träume träumen und nichts und niemandem erlauben, sie von der Verwirklichung dieses
Traumes abzubringen, natürlich nur im Rahmen der Ethik.
Ein Hochspringer z.B. sollte sein Herz über die Latte werfen und glauben,
daß sein Körper folgen wird. Das war immer meine metaphorisches Vorstellung.
Ich wünsche allen viel Erfolg bei ihren Träumen ...
... und vor allen Dingen, daß die Narben, die ihnen während der Verfolgung
ihres Traumes zugefügt werden, nur kleine Narben sein werden. Es gibt immer ein gewisses
Maß an Schmerzen auf dem Weg zum Erfolg.
13. Welches ist Ihre liebste Episode oder Moment in The Tribe und warum?
Mein liebster Moment war der erste Tag, als die erste Aufnahme gemacht wurde.
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| Tribe-Cast.com/.de |
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Online seid: 03.10.2002
Webmiss: Jebrill
Content: The Tribe
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